HAW-ForschungsraumQualifizierung:
Klima-Resilienz im ländlichen Raum: Forschen, Lernen und Handeln in komplexen Zeiten und unter komplexen Bedingungen
Hintergrund
ResilienceLab ist ein Projekt zur Stärkung der Klima-Resilienz im urbanen und ländlichen Raum und macht Klimafolgenanpassung als Zusammenspiel aus Forschung, Lernen und Anwendung erlebbar. Im Mittelpunkt steht ein realer Forschungsraum (ResilienceLab), ergänzt durch ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur innovativen Fassadenbegrünung sowie ein Qualifizierungsprogramm, das Entscheidungskompetenz in komplexen Situationen gezielt fördert.
Ausgangspunkt ist die wachsende Komplexität klimabedingter Herausforderungen, bei denen Unsicherheiten, Zielkonflikte und Zeitdruck zusammenkommen, etwa bei Starkregen, Trockenheit oder bei der Planung klimaangepasster Infrastruktur. ResilienceLab setzt deshalb auf die Verbindung von Reallabor, digitaler Datengrundlage und Qualifizierung, um Zusammenhänge sichtbar zu machen, Lösungen zu entwickeln, zu testen und gemeinsam zu reflektieren.
Ziel des Projektes
Das Projekt zielt insbesondere auf die Qualifizierung von Nachwuchsforschenden für klimasensibles und ressourcenbewusstes Handeln und Entscheiden unter komplexen Bedingungen. Gleichzeitig entsteht eine mess- und übertragbare Grundlage für klimaangepasstes Wassermanagement, während innovative Ansätze für Bestandsgebäude – insbesondere über neue Formen der Fassadenbegrünung – entwickelt und bewertet werden. Transferformate sorgen dafür, dass Ergebnisse nicht im Labor verbleiben, sondern als Lern- und Demonstrationsangebote für Praxis und Öffentlichkeit nutzbar werden.
Das Projekt wird durch ein interdisziplinäres Umfeld getragen, das verschiedene Perspektiven aus Wasser, Energie, Informatik, Materialwissenschaften sowie Wirtschafts- und Organisationsforschung zusammenführt; eingebunden sind alle sechs Institute der Hochschule Hof: Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa), Institut für Wasserstoff und Energietechnik (iwe), Institut für Informationssysteme (iisys), Institut für Materialwissenschaften (ifm), Institut für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere (ibp), Institut für Wirtschafts- und Organisationsforschung (iwo) sowie das StartupLab Makerspace. Die Projektleitung hat das inwa inne.
Module 1
Im Modul 1 entsteht der reale Erlebnis- und Forschungsraum „Resilience Lab“ für klimaangepasstes Wassermanagement. Hierzu werden mehrere Gebäude und zugehörige Flächen dam Hochschulcampus Hof mit Schwammelementen wie z. B. Gründach, Regenwassertank, Rigolen und Fassadenbegrünung ausgerüstet, um die Folgen des Klimawandels in Form von Starkregen und Trockenperioden unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen und demonstrieren zu können.
Das „Resilience Lab“ wird mit einer umfangreichen digitalen Infrastruktur ausgerüstet: Sensorik erfasst relevante Kenngrößen wie z. B. pH-Wert, Boden- und Luftfeuchte, Leitfähigkeit, Temperatur und Wasserfluss, sodass eine belastbare Wasserbilanz erstellt werden kann. Darauf aufbauend wird ein Wassermengenmanagement entwickelt, das Niederschlagsprognosen berücksichtigt, um in Trockenphasen bereits vorhandene und neu errichtete Schwammelemente präventiv zu bewässern oder bei Starkregenereignissen frühzeitig Speichervolumen zu schaffen.
Module 2
Im Modul 2 steht ein Forschungsprojekt zur textilbasierten Fassadenbegrünung im Fokus, das eine leichte, schnell montierbare und für Bestandsgebäude geeignete Systemlösung adressiert. Entwickelt werden textile nachhaltige Materialoptionen, die recycling- oder biobasierte Komponenten, Biopolymere und Bastfasern einbeziehen.
Im Rahmen der Entwicklung werden mehrere Textil-Varianten als Prototypen aufgebaut und zunächst an Teststationen erprobt, bevor Fassadenversuche folgen. Die Bewertung erfolgt anhand zentraler Kriterien wie Beitrag zur Biodiversität, Energieeffizienz und Kühlleistung, Wartungsaufwand, Automatisierbarkeit, Kosten-Nutzen-Verhältnis, Robustheit gegenüber Wetterextremen und Akzeptanz.
Module 3
Modul 3 enthält das Thema Qualifizierung unter Verwendung eines ResilienceLab-Lernparcours. Schwammstadtmaßnahmen stehen aktuell für die komplexesten Infrastrukturziele und erfordern insbesondere von der Forschung zunehmend einen gesamtheitlichen Blick auf Innovationen und deren Wirkungseffekte sowie die Integration verschiedener Fachdisziplinen.
Im Fokus steht daher die Vermittlung erforderlicher Komplexitätkomptenzen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Von der Schulung sollen auch Studierende und für Schwammstadtthemen zuständige Personen in Kommunen und Industrie profitieren, entsprechende Schulungsadaptionen werden über das ktns (Kompetenzzentrum für nachhaltige Schwammstadt/-region) angeboten.
Im Zentrum werden praxisnahe Lern- und Reflexionsphasen kombiniert und zugleich so aufgebaut ist, dass Inhalte in die Lehre überführt werden können. Ein KI-gestützter VR/AR-Assistent ist als Sparringspartner konzipiert und nutzt räumliche Informationen aus Forschungsraum und Digital Twin; die Interaktion erfolgt vorrangig sprachbasiert und kann multimodale Eingaben wie Kamera- oder Objektinformationen einbeziehen. Durch VR-Zugänge sollen auch externe Teilnehmende eingebunden werden, was insbesondere für ländliche Räume mit begrenzter Verfügbarkeit spezialisierter Expertise relevant ist. Die Lernentwicklung wird mit geeigneten Evaluationsansätzen, unter anderem über weiterentwickelte Kompetenzenbilanz-Methodik und eine angepasste Kompetenzmatrix, begleitet. Der ResilienceLab-Lernparcours macht den Forschungsraum aus Modul 1 und die Forschungsergebnisse aus Modul 2 sichtbar und erlebbar.